Systematik der Tarotkarten

Aufbau des Tarot - Kartensatzes

Tarot ist ein Kartenorakel, das sich von anderen - wie z.B. Engel- oder Lenormandkarten - durch einen besonderen systematischen Aufbau unterscheidet.

Der Tarot Kartensatz besteht aus 78 Karten.
22 davon werden als 'große Arkana' bezeichnet und sind die besonders bedeutenden Karten. Sie beschreiben Archetypen: Grunderfahrungen und Grundprinzipien, manchmal in personifizierter Form.

Die anderen 56 Karten sind in 4 'Farb'-Gruppen geordnet, wie das auch bei Skat oder anderen Kartenspielen ist. Im Tarot spricht man von den 4 'Elementen'.Sie werden meist durch Schwerter, Kelche, Stäbe und Münzen dargestellt.
In jeder Farbe gibt es die Karten von Ass bis 10 - die sog. Kleinen Arkanen und 4 Hofkarten.

Das am weitesten verbreitete Tarotspiel ist das Rider-Waite Tarot. In früheren Tarotspielen war nur die große Arkana und die Hofkarten bebildert. In der kleinen Arkana wurde eine Karte einfach durch die entsprechende Anzahl von Elementsymbolen dargestellt. Die Karte '7 Schwerter' zeigte eben 7 Schwerter...
Durch Arthur Edward Waite wurde erstmals die Neuerung eingeführt, dass auf den Karten der kleinen Arkana nicht nur die entsprechende Anzahl Symbole zu finden war, sondern auch eine Situation dargestellt wurde, die die Aussage der Karte bildlich ausdrückte. Gemalt wurden alle Illustrationen dieses Decks von Pamela Colman Smith. Rider, dessen Name scheinbar so bedeutungsvoll am Anfang steht, war nur der Verleger der Karten.

Die vier Elemente

Schwerter stehen für das Luftelement
Dies ist die Welt des sachlichen, logischen Denkens; Analyse, Entscheiden, kühle Distanz. Auch verbale Kommunikation ist in diesem Bereich angesiedelt. Wie man an vielen Theorien sehen kann: sie brauchen nicht unbedingt einen Bezug zur Realität. Denken kann sehr oft 'abgehoben' sein.
Das Luftelement hat seine positiven und seine negativen Seiten: Ein Messer kann - in der Hand eines Mörders - eine lebensbedrohliche Waffe sein; in der Hand eines Chirurgen rettet es Leben.
Typischer Satzanfang: ich denke...

Kelche stehen für das Wasserelement
Dies ist die Welt des Fühlens, Spürens, des Unterbewusstseins. Hier ist auch die nonverbale Kommunikation zu finden. Leicht wird bei den Kelchkarten vergessen, dass es eben nicht nur positive Gefühle gibt, sondern auch negative, wie z.B. Hass!
Wasser als Element ist lebenswichtig; in zu viel Wasser kann an aber auch ertrinken!
Typischer Satzanfang: ich fühle...

Stäbe stehen für das Feuerelement
Dies ist die Welt der Triebe, Kräfte, Energien, des Wollens. Da die Stäbe für alle Formen der Energie stehen, wird auch Spiritualität häufig in diesem Bereich angesiedelt. Aus sich heraus sind Energien und Kräfte meist ungerichtet.
Charakteristisch ist das 'Wollen' - weniger das Vorhandensein eines sinnvollen Zieles. Auch das Feuerelement hat zwei Seiten: Feuer kann wärmen, z.B. als Kaminfeuer, oder zerstören, z.B. als Waldbrand.
Typischer Satzanfang: ich will...

Münzen stehen für das Erdelement
Dies ist die Welt der Arbeit und ihrer Ergebnisse. Aus konstruktiver Arbeit geschaffene Werte. Nicht zuletzt geht es hier auch um den Bereich der Arbeit an sich selbst, und dem daraus erwachsenden Selbstwert und Selbstbewusstsein. Diese Verbindung wird in unserer Sprache auch ganz selbstverständlich benutzt im Wort 'Talent'. Das Wort bezeichnete ursprünglich eine Münze - steht heutzutage aber für Fähigkeiten und Anlagen, also innere Werte eines Menschen.
Typischer Satzanfang: ich habe/bin oder ich tue...

Die Hofkarten

In vielen Decks zeigen die Hofkarten Menschen mit Titeln, die 'bei Hofe' üblich waren, daher der Name.
So sind das im Rider-Waite Deck: Page, Ritter, Königin und König.
Im Crowley-Tarot: Prinzessin, Prinz, Königin und Ritter
Die Hofkarten zeigen Entwicklungsstufen in einem Element - sprich die Stationen, an denen ein Mensch in einem speziellen der 4 Lebensbereiche gerade ist. Ein Mensch ist sehr vielseitig, so dass sein 'Typ' meist durch eine Mischung mehrerer Hofkarten beschreiben wird. Allerdings kann in einer bestimmten Lebenssituation einer dieser Karten-Typen dominieren. Neuere Decks lösen sich auch häufig von den Begrifflichkeiten aus der höfischen Welt. Hier heißen die Karten z.B.
Tochter, Sohn, Mutter und Vater
oder in spirituell angehauchten Decks z.B.
Sucher, Kämpfer, Göttin und Gott.

Letztlich ist die Bezeichnung nicht so wichtig - es geht um die Entwicklungsstufen. Diese erläutere ich für die einzelnen Decks bei den jeweiligen Hofkarten.

Die kleine Arkana (Zahlenkarten)

Die Karten der kleinen Arkana stellen Ereignisse dar. Einige werden vielleicht positiv empfunden, andere negativ. Dies ist eine Charakteristik der Kleinen Arkana: in der Folge der Karten gibt es Krisen und Highlights.
Die Asse stehen insofern außerhalb der Reihe, weil die das jeweilige Element in seiner Urform zeigen. Hier ist noch keine Ausprägung erfolgt. Das volle Potential des Elements in allen Richtungen steht zur Verfügung. In den Deutungskapiteln habe ich die kleinen Arkanen eher knapp erläutert; nur einige Impulsworte genannt. Gerade hier kannst du also die eigene Kreativität und Intuition spielen lassen.

Die Große Arkana

Diese Karten zeigen Grunderfahrungen und Grundtypen ('Archetypen'), die 'über' den Elementen stehen, bzw. die Elemente intergrieren. Bestes Beispiel ist der Magier, der alle 4 Elemente vor sich auf dem Tisch aufgereiht hat. Er beherrscht sie alle.
In der Großen Arkana gibt es z.B. die 'Grundtypen' wie das Kind (Narr), die Mutterfigur (Kaiserin), die Vaterfigur (Kaiser) oder menschliche Grunderfahrungen wie Abschied (Tod), Hoffnung (Stern), Selbstfindung (Eremit).
Die Bedeutungen entsprechender Karten in verschiedenen Decks ist bei der großen Arkana meist recht ähnlich. Das ist durchaus verständlich, da diese Grund-Typen und -Erfahrungen zu allen Zeiten und Orten gleich waren.
Eine ganze Reihe von Kartensätzen beschränkt sich aus diesem Grund auf die 22 Karten der Großen Arkana.


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